Geschichte der Feuerwehr Wildeshausen

Auf den folgenden Seiten erhalten Sie einen kurzen Einblick in die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Wildeshausen.

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Entwicklung des Brandschutzes vor 1895

Brand 1895
Der große Brand 1895 führte zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wildehausen. Bild: Archiv Panschar

 

Bereits lange vor Gründung der Feuerwehr Wildeshausen im Jahre 1895 befasste man sich in Wildeshausen mit dem Brandschutz.So wurden 1748 erste Feuerlöschgeräte beschafft und Notbrunnen in der Stadt angelegt.

Am 31. März 1790 kommt es trotz dieser Maßnahmen zu einem Großbrand von 72 Wohnhäusern und 19 Scheunen. 1830 gibt sich die Stadt ein Feuerlöschungs- und Visitationsreglement. Jeder Bürger hatte bei Feuer oder anderen Notständen die Pflicht zur Hilfeleistung. Die Alarmierung erfolgte durch die Nachtwächter mit Feuerhörnern, zusätzlich wurde die Notglocke der Alexanderkirche geläutet. Zu dieser Zeit entstand auch der vorbeugende Brandschutz. Viermal jährlich wurden die Feuerstellen auf ihre Sicherheit geprüft, ebenso achtete man auf feuergefährliche Baumängel.

1895 ereignet sich erneut ein Großbrand. 27 Häuser werden ein Opfer der Flammen. Dieser Großbrand war der Anlass zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wildeshausen am 28. September 1895

Von der Gründung 1895 bis 1933

 

Bei dem erwähnte Großbrand am 18. September 1895 kamen neben der städtischen Feuerwehr auch die Freiw. Turnerfeuerwehr Harpstedt und die Freiwillige Feuerwehr Colnrade zum Einsatz. Insgesamt 43 Gebäude, darunter 29 Wohnhäuser, fallen den Flammen zum Opfer.

Bereits am 28. September 1895 fand die Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Wildeshausen statt. Über 60 Männer erklärten ihren Beitritt. Am 03. Oktober wurden die Statuten genehmigt und der Brauereibesitzer Theo Sager zum ersten Hauptmann gewählt.

Ihren ersten Einsatz hatte die neugegründete Feuerwehr am Morgen des 04. Februar 1896. Es brannte im Haus des Tischlermeisters Heinemann. Der Feuerwehr gelang es, den Brand auf das Gebäude zu beschränken.

Feuerwehrhaus Wildeshausen um 1900
Feuerwehrhaus Wildeshausen um 1900. Bild: Archiv Panschar

Bis zum Jahr 1897 war die Feuerwehr im Rathaus untergebracht. Die Räumlichkeiten genügten jedoch keinesfalls den Anforderungen. Am 08. August 1897 erhielt die Wehr ihr neues Spritzenhaus an der Hunte, heute noch Standort der Feuerwehr.

Am 23. April 1900 gab es jedoch einen gewaltigen Rückschlag. Gegen Viertel nach vier Uhr nachmittags wird die Feuerwehr alarmiert. Es brennt ein Wohnhaus an der Burgstraße. Trotzdem die Freiwillige und die städtische Feuerwehr schnell zur Stelle sind, legt das Feuer bei lebhaftem Wind in knapp 2 Stunden 113 Gebäude (inklusive Stallungen) in Schutt und Asche. Infolge des Großbrandes kommt es fast zur Auflösung der Feuerwehr. Auf der Generalversammlung im Mai 1900 wird der Antrag des Vorstandes auf Auflösung jedoch mit 33 zu 20 Stimmen abgelehnt.

Im Jahr 1911 wird nach langen Planungen eine Elektropumpenanlage im Spritzenhaus in der Huntestraße in Betrieb genommen. Das Wasser wird direkt aus der Hunte durch eine unterirdische Rohrleitung in alle Stadtteile gefördert. Aus 7 Hydranten konnte Wasser gegeben werden. Nach Fertigstellung der Anlage wird der Freiwilligen Feuerwehr das gesamte Löschwesen übertragen und die städtische Feuerwehr aufgelöst.

Der 1. Weltkrieg bringt es mit sich, dass etwa 2/3 der Wehrmänner zum Heeresdienst herangezogen werden. Aufgrund dessen teilt die Stadt der Wehr 20 Bürger zu. Mit dem Ende des Krieges geht es mit der Feuerwehr wieder bergauf, auch wenn noch viel improvisiert werden muss. So sind für 100 m neuer Schläuche keine Kupplungen vorhanden, weil die Lieferfirma in Köln in besetztem Gebiet liegt und nicht liefern kann.

1930 wird eine Motorspritze von der Stadt beschafft. Der seit langem geforderte Neubau des Spritzenhauses nimmt Anfang der 30er Jahre Formen an. Die Feuerwehr erhält am Standort Huntestraße einen modernen Neubau, der in wesentlichen Zügen auch heute noch erhalten und Bestandteil des heutigen Feuerwehrhauses ist.

1930 wird in der Landgemeinde die Freiwillige Feuerwehr Düngstrup gegründet. Durch die Verwaltungsreform des Landes Oldenburg im Jahr 1932 wurden die Landgemeinde Wildeshausen und die Stadt Wildeshausen zu einer Gemeinde zusammengelegt. Die Stadt Wildeshausen verfügte somit über zwei Feuerwehren, die Wehr Düngstrup und die Wehr Wildeshausen.

1933 bis 1960

 

Über die Zeit des 3. Reiches und des 2. Weltkrieges liegen nur sehr wenige und unvollständige Aufzeichnungen vor. Wie im 3. Reich üblich, wurden auch die Feuerwehren gleichgeschaltet. 1935 erfolgte die Umbenennung in "Feuerlöschpolizei Wildeshausen". 1936 wird von der Reichsregierung die Motorisierung der Feuerwehren vorangetrieben, doch erst 1942 kommt die Feuerwehr Wildeshausen in den Genus dieses Erlasses.

Fahrzeuge der Feuerwehr Wildeshausen um 1939. Bild: Archiv Feuerwehr
Fahrzeuge der Feuerwehr Wildeshausen um 1939. Bild: Archiv Feuerwehr

Am 20. Mai erhält die Feuerwehr ein schweres Löschfahrzeug LF 15, im September des gleiches Jahres ein leichtes Löschgruppenfahrzeug mit TS 8. Bei den Bombenangriffen auf deutsche Städte wurden diese Fahrzeuge mit Wildeshauser Wehrmännern u. a. in Bremen, Delmenhorst, Harpstedt und Wilhelmshaven eingesetzt. Da viele Wehrmänner zum Militärdienst eingezogen wurden, stellte man 1943 eine Mädchengruppe der Freiwilligen Feuerwehr auf. Diese Gruppe bestand bis 1945 und wurde sowohl für den hiesigen Brandschutz eingesetzt, als auch bei den Großbränden in Bremen und Wilhelmshaven. Genaue Aufzeichnungen über die Brandeinsätze während und am Ende des Krieges liegen leider nicht vor. Es ist aber bekannt, das bei der Besetzung der Stadt mehrere Häuser in Brand geschossen wurden. So wurden u. a. anderem der Turm der Alexanderkirche, die Geschäftshäuser Nolte und Haase getroffen.

Die in Wildeshausen vorhandenen Löschfahrzeuge wurden nach Kriegsende durch die britischen Alliierten beschlagnahmt. Die Mitglieder der Feuerwehr stöberten jedoch ein LF 15 auf. Bei diesem Fahrzeug fehlte die Pumpenanlage. Das Löschfahrzeug wurde instandgesetzt und mit einer TS 8/8 ausgerüstet. Von der Landesfeuerwehrschule in Loy bekam die Feuerwehr ein weiteres LF 15 zur Verfügung gestellt., so das die Einsatzfähigkeit einigermaßen wieder hergestellt war.

1955 bekommt die Feuerwehr ein neues LF 8, einen Opel Blitz mit Frontpumpe und Tragkraftspritze. Das Fahrzeug war bis 1978 in Dienst und wurde dann an die Glashütte Oldenburg abgegeben.

1960 bis Heute

 

Neben dem Feuerwehrdienst musste die Freiwillige Feuerwehr auch den Krankentransport übernehmen. Kurz nach dem Kriege 1945 wurde in Wildeshausen ein Krankenwagen des Landkreises stationiert, der von einem hauptamtlichen Feuerwehrmann, angestellt beim Kreis, gefahren wurde. Der Krankentransport ist aufgrund von fehlender Rentabilität im Jahr 1970 eingestellt worden und wurde an private Unternehmen und Organisationen vergeben.

Die ständig steigenden Einsatzanforderungen machten eine Aufrüstung der Feuerwehr erforderlich. 1962 beschaffte die Stadt ein Tanklöschfahrzeuge TLF 16 T auf Mercedes-Benz Fahrgestell, Aufbau Ziegler, Giengen. Das Fahrzeug war bis 1995 im Einsatz und wurde durch ein modernes Tanklöschfahrzeug TLF 24/48, Mercedes-Benz, Schlingmann abgelöst. Das TLF 16 T ist zwischenzeitlich restauriert und wird bei besonderen Anlässen präsentiert.

Nach Aufstellung des zivilen Bevölkerungsschutzes, einem Vorläufer des heutigen überörtlichen Katastrophenschutzes wird die Feuerwehr Wildeshausen 1964 mit einem Löschgruppenfahrzeug LF 16 TS ausgestattet. Erst 1988 wird dieses Einsatzfahrzeug gegen ein neues LF 16 TS ausgetauscht. Im Zuge der Neuorganisation des Katastrophenschutzes wurde das LF 16 aus unerklärlichen Gründen aus des einsatzstärksten Stadt des Landkreises Oldenburg abgezogen. 1999 beschafft die Stadt ein LF 16/12 als Ersatz.

Mit dem Bau der Bundesautobahn BAB A1 Mitte der 60 Jahre bildet sich für die Feuerwehr Wildeshausen ein neuer Einsatzschwerpunkt heraus. Schwere Verkehrsunfälle, Fahrzeugbrände und Umweltschäden gehören seitdem zum Tagesgeschäft der Feuerwehr. Der Landkreis Oldenburg stationiert im Jahre 1966 einen Gerätewagen in Wildeshausen. Das Fahrzeug war mit Notstromaggregat, Schneidbrenner, Trennschleifer, Greifzug und anderen Geräten zur technischen Hilfeleistung ausgerüstet. 1988 erfolgt die Ersatzbeschaffung. Als Folgefahrzeug wurde ein moderner Rüstwagen RW 1 auf Unimog-Fahrgestell in Wildeshausen stationiert. Derzeit führt der Landkreis Oldenburg Ersatzbeschaffungen für die Rüstwagen durch. Die ersten beiden Fahrzeuge wurden im Jahr 2013 in Dienst gestellt und bei den Freiwilligen Feuerwehren Harpstedt und Sandhatten stationiert.

Mit dem raschen Wachsen der Stadt ist eine rege Bautätigkeit verbunden. Durch die neuen, teils mehrgeschossigen Bauten erforderlich, wird 1968 eine Anhängerleiter mit einer Steighöhe von 18 m in Dienst gestellt. Diese Leiter war jahrelang zuverlässig im Einsatz. Im Frühjahr 1995 nahm die Feuerwehr eine neue Drehleiter in Betrieb. Die neue DLK 23/12 auf MAN-Fahrgestell wurde von der Firma FGL-Luckenwalde gebaut und verfügt über einen 3 Personen Rettungskorb. Im Herbst 2103 wurde dieses Einsatzfahrzeug außer Dienst gestellt. Weil für das Jahr 2015 eine Ersatzbeschaffung vorgesehen ist, lohnten sich aufwendige Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht mehr. Um dennoch einsatzbereit zu bleiben, kaufte die Stadt Wildeshausen kurzerhand eine ausgemusterte DLK23-12nB von der Berufsfeuerwehr Bremen. Der Kaufpreis lag erheblich unter den Kosten, die in die alte DLK 23-12 hätten investiert werden müssen.

Ein zusätzliches Tanklöschfahrzeug in Form eines TROTLF 16 auf Magirus wurde seit 1971 bei der Feuerwehr Wildeshausen eingesetzt. Das Fahrzeug verfügte neben einem Löschwasservorrat von 1.800 Liter. und 100 Liter Mehrbereichsschaummittel auch über eine 750 kg Pulverlöschanlage. Mit der Indienststellung des neuen LF 16/12 wurde das TROTLF 16 ausgemustert.

Für den 1977 außer Dienst gestellten Opel-Blitz erhält die Feuerwehr ein modernes LF 8 auf Mercedes-Benz, Aufbau Ziegler. Das Fahrzeug war bis zum Jahr 2004 im Einsatz. Es wurde 2004 durch ein neues LF 8 nach technischer Weisung (TW) des Lands Niedersachsen angeschafft. Einsatztaktisch rückt das Fahrzeug bei Brandeinsätzen im zweiten Abmarsch aus. Das LF 8 wird außerdem bei Gefahrguteinsätzen als Transportfahrzeug der CSA-Träger eingesetzt. Weiterhin kommt das Fahrzeug bei der Ausbildung und den Diensten der Jugendfeuerwehr zum Einsatz.

1979 wird der Wehr ein Mannschaftstransportfahrzeug MTF VW Bus übergeben. Dieses Fahrzeug dient u. a. als Einsatzleitfahrzeug und dem Nachführen weitere Einsatzkräfte. In den Folgejahren werden die MTF laufend ausgetauscht. In der Regel übernimmt die Feuerwehr von der Stadt die Citymobile, die fünf Jahre im Einsatz waren und durch Sponsoren finanziert wurden. Im Jahr 2014 wird die nächste Generation des Citymobils an die Feuerwehr übergeben.

Um auch den gestiegenen Anforderungen im Bereich Gefahrguteinsätze erfüllen zu können, beschafft die Feuerwehr 1992 aus Spendengeldern einen ausrangierten 1,5 to Anhänger der Bundeswehr. Dieser wird von den Mitgliedern der Feuerwehr so umgebaut, das u. a. Behältnisse zur Aufnahme von Flüssigkeiten wie Benzin, Diesel und Öl auf ihm Platz haben. Des weiteren befinden sich auf dem Anhänger Notstromaggregat, Beleuchtungsgerät, Schaufeln, Besen und diverse andere Geräte, die zur Abwehr bei kleineren Gefahrgut- und Umwelteinsätzen benötigt werden. Im Jahr 2004 tauscht die Feuerwehr diesen Anhänger gegen einen Gerätewagen Logistik (GWL 1) aus. Auf dem gebrauchten 7,5 Tonner mit Kofferaufbau und Ladebordwand ist das gesamte Einsatzequipment für Gefahrgut- und Umwelteinsätze verlastet. Dazu gehört auch eine Dekontaminationseinheit für die Ersteinsatz bei Gefahrstoffunfällen.

Durch die enorm gestiegenen Einsatzzahlen seit 1960 wurde das Feuerwehrhaus an der Huntestraße zu klein. Auch die 1967 angebaute Fahrzeughalle und der Unterrichtsraum brachten nur vorübergehend eine Verbesserung der Situation. 1986 erfolgte ein umfangreicher Neu- und Erweiterungsbau. Dabei wurde die vorhandene Bausubstanz in das neue Objekt einbezogen. Insgesamt wurden 7 Fahrzeughallen, eine Waschhalle, großzügige sanitäre Anlagen und ein moderner Schulungsraum erstellt. Auch dieses Gebäude entspricht inzwischen nicht mehr dem Stand der Technik. Seit mehr als zehn Jahren wird an einem Neubau geplant. Inzwischen laufen die Bauvorbereitungen für ein neue Feuerwehrhaus in der Pagenmarsch.

Personell ist die Feuerwehr Wildeshausen gut aufgestellt. Mehr als 70 Frauen und Männer stellen sich ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit. Mehr als die Hälfte von ihnen stammen mittlerweile aus der eigenen Jugendfeuerwehr, die 1994 gegründet wurde.